Klaus Weißinger
Wie ein falsch verorteter Sumpf Faust zum Versager machte
Wie ist es möglich geworden, dass Faust in manchen heutigen Inszenierungen als sabbernder Lüstling über die Bühne kriecht? Warum gilt Goethes wichtigste literarische Figur in der neueren Rezeption häufig nur noch als Antiheld, der als blinder Illusionist moralisch wie ökonomisch tragisch scheitert? Diese heute weithin akzeptierte Auffassung beruht auf einem folgenreichen geographischen Missverständnis im 5. Akt von „Faust II“, das sich in Teilen der Forschung verfestigt und seitdem vielfältig weiterverbreitet hat. Dabei wurde der Sumpf, der angeblich alles von Faust Erreichte – sein Landgewinnungsprojekt – zerstören soll, schlichtweg falsch verortet. Verortet man ihn jedoch richtig, ergibt sich ein ganz anderes Bild. ➢ Zum Artikel


